Exponate – Die Umsärge der Fürstenfamilie zu Sayn-Wittgenstein-HohensteinExponate – Die Umsärge der Fürstenfamilie zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein


Im Feudinger Heimatmuseum können Sie die Umsärge der Fürstenfamilie zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein bestaunen.
Neben dem sehr gut erhaltenen Umsarg der Gräfin Elisabeth-Charlotte und dem ebenfalls sehr gut erhaltenen Umsarg ihrer Mutter Anna-Auguste zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, sind von ihrem Vater Graf Johann zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, der übrigens beim Westfälischen Frieden in Münster beteiligt war, nur noch Fragmente des Übersarges vorhanden.


Übersarg der Gräfin Elisabeth-Charlotte von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, 1662
Leihgabe Bernhart Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein

Der aus mehreren Kupferplatten zusammengesetzte Übersarg der mit 17 Jahren verstorbenen Gräfin stammt ursprünglich aus der gräflichen Familien-Gruft der Pfarrkirche von Laasphe.
1948 wurde die Gruft zu einem Heizungskeller umfunktioniert.

Die sterblichen Überreste der Mitglieder der gräflichen Familie wurden auf den Schlossfriedhof umgebettet.
Die Übersärge, darunter auch derjenige Elisabeth Charlottes, gelangten auf den Speicher des Laaspher Schlosses.
1976 hatte eine Firma den Auftrag bekommen den Speicher des Schlosses zu entrümpeln.
Durch unglückliche Umstände und sicher auch aus Versehen gelangten die Übersärge zu einem Altmetallhändler.
In letzter Minute konnten die Übersärge vor der Vernichtung bewahrt werden und befinden sich seit 1984 im Heimatmuseum Feudingen.

In der oberen Hälfte des Deckels befindet sich das lebensgroße Porträt der Verstorbenen in Festkleidung. In ihrer rechten Hand hält sie eine mit einem Totenschädel bekrönte Sanduhr. Über ihr halten zwei aus dem imaginären Himmel ragende Hände einen Tugend- oder Ehrenkranz als Symbol für den christlichen und frommen Lebenswandel der Gräfin und dafür, dass sie unverheiratet starb. Umrahmt wird das Porträt von den halbkreisförmig angeordneten Initialen
„E. C. G. V. F. Z. S. W. V. H. Z. H. V. V.“ unter dem Bildnis erfolgen in einer kurzen Inschrift die wichtigsten Angaben zur Person und die Auflösung der Initialen:
 
„ELISABET CHARLOTTE Gräfin vndt Frawlein Zu Sein / Wittgenstein, vndt Honstäin Zu Homburg vndt Vallendar Et / ist gebohren den 29. July im Jahr ANo 1644 vndt gestorben im Jahr ANo. 1662. Den 29. Januarii ihres Alters 17 Jahr 6 Monat.“
Darunter beginnt ein langes, sich über die Seitenflächen fortgesetzes Lobgedicht auf die Verstorbene, das mit den Zeilen „EH, SIE[HE] DIS SCHÖNSTE KIND, O HERBES TRAWER ZEICHEN / CHRISTSELIG VON VNS SCHIED“, beginnt.
Am Fußende halten zwei Engel eine Kartusche mit den ligierten Initialen der jungen Gräfin; ferner finden sich die nicht auflösbaren Buchstaben „CAo“, die Datierung „1662“ und eine flammendes Herz.


Die Sage um Elisabeth Charlotte

Vor mehr als 300 Jahren lebte auf Schloss Wittgenstein eine junge Gräfin von 17 Jahren mit dem Namen Elisabeth Charlotte. Ihre Eltern, Johann VIII., regierender Graf zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, der während des Dreißigjährigen Krieges im Dienste des Großen Kurfürsten stand und Anna Auguste, geborene Gräfin von Waldeck, fanden schon vor einigen Jahren in der alten Familiengruft an der Laaspher Stadtkirche ihre letzte Ruhestätte.

Elisabeth Charlotte wohnte weiterhin auf dem Schlosse bei ihrem Bruder Christian Ludwig, der nach dem Tode des Vaters die Regierung der Grafschaft übernommen hatte.

Sie war fleißig und freundlich, hatte ein gutes Herz, jeder im Schlosse war ihr gut gesonnen. Doch schon seit längerer Zeit bewies die junge Gräfin einen besonderen Eifer zur Gottseligkeit und einen ungemeinen Drang zu geistlichen Betrachtungen. Tage und Nächte verbrachte sie allein in ihrem Zimmer über der Heiligen Schrift, und immer wieder gab sie ihr Verlangen nach einem seligen Tode in ewiger Gemeinschaft mit Gott bei den Ihrigen zu erkennen.

Und so kam es, nachdem sie eines Tages ihren Bruder, den Grafen, in seinem Zimmer besucht hatte, - sie wollte gerade den Raum wieder verlassen – da vernahm sie plötzlich eine Erscheinung, die ihr den baldigen Tod, ja sogar den Tag und die Stunde, wann sie zu Gott abgerufen werde, verkündete.

Blass vor Aufregung stürzte sie zurück in das Zimmer ihres Bruders und erzählte ihm mit Tränen in den Augen von dem, was sie vor wenigen Sekunden draußen vor der Tür erlebt hatte und dass nun ihr Ende nahe sei, sie dem Tod aber freudig entgegensehe, da einem Christen nichts Besseres widerfahren könne.
Der Graf erschrak über solche Worte seiner noch so jungen Schwester und versuchte, jedoch vergeblich, sie auf andere Gedanken zu bringen. Stattdessen ermahnte sie ihn, sich doch selbst auch einmal Gedanken darüber zu machen, wie kurz das Leben hier auf Erden sei, was Reichtum und Geld nach dem Tode noch bedeute und welch große Freude es sei, auf den letzten Tag vorbereitet zu sein, um in Gottes Reich ewiges Leben zu haben.

Ihr Betragen war fortan wie früher, freudig und freundlich, auch veränderte sie nicht ihre Kleidung. Als aber der Tag ihres vorhergesagten Todes nahte, nahm sie von ihres Bruders Gemahlin, ihren Schwestern und Bekannten Abschied, bat sie um Vergebung, wenn sie sie je beleidigt habe, und befahl sie Gott.

Inzwischen kamen zur Geburtstagsfeier des regierenden Grafen mehrere benachbarte Grafen und Herren nach Wittgenstein. Elisabeth Charlotte ging mit allen Gästen höflich um, war nicht traurig, doch ernst und ungewöhnlich still. Fünfzehn Tage nachdem ihr Ende offenbart worden war, an dem Tage, als die Gäste wieder abreisen wollten, stand sie sehr früh auf. Sie erzählte folgenden Traum: „Sie habe das Schloss Klettenberg, den Witwensitz ihrer Mutter, in Flammen gesehen. 

Man habe das Feuer nicht löschen können, sie aber sei plötzlich in eine Kirche gekommen, wo all ihre Angst sich in lauter Freude verwandelt habe. Die Anwesenden wollten die Sache zum Scherz lenken und behaupteten, der Traum bedeutete eine Heirat. Sie aber beharrte darauf, dass er ihren Tod und den Eingang zur ewigen Ruhe bedeutete.

Während sie redete, sah man plötzlich ein seit langer Zeit nicht mehr bewohntes Gemach hell erleuchtet. Sofort schickte der Graf jemand hoch, um nachzusehen, was da wäre. Das Zimmer aber war verschlossen, und als es geöffnet wurde, war es stockdunkel, es befand sich noch nicht einmal ein Öllicht darin.
Da nun die Gäste abreisen wollten, sagte unsere Gräfin zu einem derselben, „Im Augenblicke ihres Todes sollte er doch einmal auf seine Taschenuhr sehen, sie werde dann stehen bleiben.
 
Der Graf gab den Abziehenden das Geleit, und weil über Nacht ziemlich hoher Schnee gefallen war, zog man für die steile Abfahrt den Schlossberg hinunter, eine Schlittenfahrt vor, um gleichzeitig auch der Schwester eine Zerstreuung zu gewähren.
Als man das Pferd eingespannt hatte, setzte sich zuerst die ältere Schwester, Gräfin Christiane, auf den Schlitten und zwar auf den vorderen Platz, um ihrer Schwester den besseren zu belassen. Diese lehnte es jedoch ab und setzte sich erst, nachdem Christiane dem ihr gehörigen Platz eingenommen hatte.

Langsam bewegte sich nun die herrschaftliche Kolonne von Wagen und Schlitten durch den frischen Schnee den Schlossberg hinunter, und als sie am Dillstein den Wald verließen, schlug das Pferd im Schlitten plötzlich nach hinten aus und die junge Gräfin Elisabeth Charlotte derart fest an die Schläfe, dass sie lautlos tot zur Erde fiel.

Entsetzt riss jener Gast, der noch vor wenigen Minuten auf dem Schlosshofe von ihr angesprochen worden war, seine Taschenuhr hervor; … sie stand still! Man brachte die Leiche zurück auf das Schloss und bahrte sie in dem vorher erleuchtet gesehenen Zimmer in einem mit vielen Lichtern umgebenen Paradebett auf.
In dem Schreibkästchen der Verstorbenen wurden zwei versiegelte Briefe gefunden, der eine an ihre Schwester, Concordia gerichtet, der andere an ihren Bruder, den Grafen, voll ernster Lehren und Hinweise auf die Vergänglichkeit und Kürze ihres Lebens.
 
So fand auch Elisabeth Charlotte, Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, im Alter von nur 17 Jahren neben ihren Eltern in der alten Familiengruft ihre ersehnte Ruhe, um mit Gott in einer anderen Welt in ewiger Gemeinschaft ein neues Leben zu beginnen.

Noch heute ragt am Dillstein in Laasphe ein schwarzer Stein aus der Erde, der an die Stelle erinnert, an der die Gräfin den Tod fand.

Aus „Sagen und Märchen aus den Wittgensteiner Bergen“ von Hans Wied